Lestari

Lestari

Ein persönlicher Nachruf von Anett Keller, der Herausgeberin von „Indonesien 1965ff.“:

„Sie gehört zu den Menschen, die mich zu diesem Buch inspiriert haben. Lestari war eine der Überlebenden des antikommunistischen Massakers von 1965, die ich interviewt habe. Ausführlich hat sie aus ihrem Leben erzählt: Voll Stolz über ihr Engagement bei der linken Frauenorganisation Gerwani, voll Trauer vom Verlust ihres Kindes während der Flucht vor Suhartos Schergen. 2011 traf ich sie zum ersten Mal und habe sie seitdem mehrmals in Jakarta besucht: Eine kleine Frau mit vielen Runzeln im Gesicht und hellwachen Augen; mit weichen Händen, aber einem kraftvollen Händedruck; mit einem vom Alter gebeugten Rücken, aber einer ungebeugten Haltung. Wenn sie etwas erheiterte, lachte sie immer mit einem glucksenden Lachen und einem Blick, als habe sie gerade etwas ausgeheckt. Bei Treffen der Überlebenden sang sie aus vollem Halse die alten Kampflieder. Zurück nach Ostjava wollte sie, mit den Leuten auf der Straße reden, darüber, was Demokratie wirklich bedeute. Denn „eine Hoffnung“, so sagte sie häufig, „die hat sich noch nicht erfüllt“. Lestari starb, 83jährig, am 28. Dezember 2014. Sie steht stellvertretend für die vielen Opfer des Suharto-Regimes, die für Gerechtigkeit kämpfen – bis zuletzt.“

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